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Wir über uns

Aus der Geschichte des Mietervereins Kempten

Die Idee der Vereinsgründung entstand kurz nach dem 1. Weltkrieg. Die Wohnungsnot war groß. Man war der Meinung, eine Hilfe für Mieter anbieten zu müssen. Und so gründeten Wilhelm Fichtl, Karl Ohneberg, Friedrich Öttinger, Martin Dambeck, Josef Karg, Bernhard Peter und Bonaventura Kleisl am 12. Juli 1919 den Mieterverein Kempten. Der Jahresbeitrag betrug 2 Mark. In der Satzung wurde festgelegt, dass der Verein unter Ausschluss parteipolitischer und konfessioneller Bestrebungen die Wahrung und Förderung der wirtschaftlichen, hygienischen und sonstigen Interessen der Mieter Kemptens und Umgebung im allgemeinen und seiner Mitglieder im besonderen zu verfolgen habe.

 

Im Jahre 1932 zählte der Mieterverein Kempten 1000 Mitglieder. Dies ergibt sich aus einem Protokoll der am 8. Februar 1932 im Lokal Kreuzgarten abgehaltenen Generalversammlung. Der Kassenbestand wird mit 2.836,26 Mark, die Ausgaben mit 1.146,90 Mark angegeben. Die Rechtsberatung wurde damals schon sehr rege in Anspruch genommen. Es gab 635 Rechtsauskünfte und 167 Gerichtsfälle. Aber offensichtlich waren die Versammlungen damals nicht so gemütlich wie heute, denn unter Punkt Verschiedenes ist zu lesen, dass sich zum Glück niemand zu Wort meldete, weil die Temperatur im Saale ziemlich nieder war und der Vorsitzende so die Versammlung schließen konnte.

 

1935 richtete der Verein für seine Mitglieder beim Bäcker Schlemmer in der Klostersteige am Samstag von drei bis fünf Uhr eine Beratungsstunde ein. Zitat: Eine Sache von großem Gemeinnutz und großer Tragweite. Wenn der Hausherr Ihnen kündigen will, erklären Sie kurz und bündig, ich nehme diese Kündigung nicht an, ich muss mich erst zuvor beim Mieterverein erkundigen.

 

Auch bei einer Mitgliederversammlung am 6. März 1937 wurde über Mitgliederschwund nicht geklagt. Man bemängelte aber, dass es für eine Stadt wie Kempten mit immerhin 23739 Einwohnern immer noch zu wenig sind.

 

Das letzte Protokoll vor dem 2. Weltkrieg stammt vom 11. März 1939. Darin ist zu lesen, dass trotz der Aussage des Vorsitzenden Mooshammer in Kempten nicht alles Butter sei, was die erheblichen Streitigkeiten mit den Hausbesitzern und die Arbeit in den 14tägigen Beratungen zeige.

 

Danach brechen die Aufzeichnungen im Protokollbuch des Mietervereins Kempten ab und beginnen erst im Jahre 1949 wieder. Während des Krieges wurde der Verein nicht direkt aufgelöst. Die Arbeit ruhte jedoch.

 

Am 12. Februar 1949 wurde der Mieterverein Kempten von Anton Weinberger wieder ins Leben gerufen. Auf dieser Gründungsversammlung war auch der populäre Bürgermeister Albert Wehr (SPD) zugegen, der dem Verein im Namen der Stadtgemeinde Kempten dankte und versprach, dass der Stadtrat jederzeit die Belange des Mietervereins unterstützen wird. Interessant auch die hochkarätige Zusammensetzung des neuen Vorstandes: Stadtrat Diehm, Direktor Peukert, Rentner Leitner, Hauptschullehrerin Hübner, Chemigraph Bergsträsser, Chefarzt Dr. Breuer. Der Mitgliederstand betrug zum Jahresende 1949 112 Personen, zum Jahresende 1950 165 Personen.

 

Über die Folgejahre ist sehr wenig bekannt. Anton Weinberger stand dem Verein bis zu seinem Tode im Jahre 1964 vor. 1952 wurde vermerkt, dass es in Bayern 51 Mietervereine mit insgesamt 27000 Mitgliedern gab.

 

Im Jahre 1964 trat dann ein Mann in die Geschichte des Vereins ein, der ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1983 führte: Josef Kamm. Er hatte einen entscheidenden Anteil an der Stabilität des Vereins und der positiven Mitgliederentwicklung. Der Mieterverein und der Wunsch, den Mietern in dieser Stadt helfen zu können, bestimmten die letzten 20 Jahre seines Lebens. Von 1972 bis 1974 beriet er die Mitglieder in Kempten, Pfronten, Füssen und auch in Lindau. 1974 half Josef Kamm bei der Gründung des Mietervereins Kaufbeuren. Das Vereinsleben und die Geselligkeit kamen in diesen Jahren ebenfalls nicht zu kurz. Ihm Büro stand Irmgard Jursitzki ihrem Vorsitzenden von Anfang an tatkräftig zur Seite.

 

1984/85 war Wolfgang Hartmann Vereinsvorsitzender

 

Seit 1985 leitet Ingrid Vornberger den Verein.

 

Seit der Wiederbelebung im Jahre 1949 ging die Mitgliederentwicklung stetig aufwärts. 1985 waren es 1500 Mitglieder. 1989 hatte der Mieterverein 2200 Mitglieder und 1999 waren es 3800 Mitglieder aus Kempten und Umgebung, Pfronten, Füssen und Isny.

 

Seit dem Jahre 1975 hat der Verein eine professionelle Rechtsberatung durch die Rechtsanwälte Günter Wirth und Kurt Klug. Rechtsanwalt Wolfgang Hartmann kam im Jahre 1983 hinzu. Seit 1997 ergänzt Rechtsanwalt Hans-Christoph Bodenstab und seit 2008 Rechtsanwalt Max Klug das Team der Rechtsberater

 

Im Jahre 1985 wurde auch die Rechtsberatung in Füssen wieder aufgenommen, wo einmal im Monat eine Beratung stattfindet.

 

Sehr hilfreich für die Arbeit des Mietervereins ist die im Jahre 1983 gegründete Rechtsschutzversicherung des Deutschen Mieterbundes, die es ermöglicht, Rechte der Mieter auch auf dem Klageweg durchzusetzen.

 

Einen großen wohnungspolitischen Erfolg errang der Mieterverein Kempten im Jahre 1992. Für die Stadt Kempten wurde ein Mietspiegel erstellt, der 1994 auch fortgeschrieben wurde. Im Jahre 1997 war der Stadtrat zu einer weiteren Fortschreibung nicht mehr bereit, da sich die Mietensituation etwas entspannt hatte. Trotzdem hatte sich der Mietspiegel sehr bewährt und erheblich zum Rechtsfrieden in Kempten beigetragen. Der Liegenschaftsausschuss des Stadtrates befürwortete 1997 grundsätzlich die erneute Aufstellung eines Mietspiegels. Auf die Realisierung dieser wohnungspolitisch dringend notwendigen Maßnahme wartet der Mieterverein Kempten bis heute.